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Dr. George Miller Beard

Dr. George Miller Beard - Autor des Bildnis und Zeitpunkt der Entstehung unbekannt. Bildquelle: Wikipedia.


Dr Beard’s Arbeit vertiefte sich in den fundamentalen Charakter der polymodalen Ursachen von Neurasthenie und betonte den körperlichen Aspekt dieser Erkrankung. Er sah wie multiple Überforderungssituationen hier münden können, und wie essentiell die Frühmassnahmen waren.

Eine seiner spannendsten Bemerkungen war jedoch lediglich in einem ganz kleinen Absatz zu lesen: er erwähnte, dass die Betroffenen von einer Anzahl von weiteren Krankheiten durch «Neurasthenie» geschützt werden. Als Vergleich nahm er die schon damals bekannte, erhöhte Resistenz der Opium-Raucher gegenüber Ansteckungskrankheiten.

Über ähnliches Phänomen werden auch die heutigen ME/CFS-Betroffene berichten, v.A. wenn schwergradig oder über zwei Jahre krank – die noch so üblichen Erkältungen und Grippen halten sich von diesen Personen scheinbar fern. Als spannende Ergänzung dient hier der moderne Einsatz von Opioidderivaten in Beeinflussung des Immunsystems – so scheinen heutzutage manche ME/CFS-Betroffene z.B. von tiefdosiertem Naltrexon teilweise zu profitieren.   

 


Der Artikel von Dr. George Miller Beard aus Connecticut, USA, über «Neurasthenie» erschien nur wenige Monate nach der Publikation Van Deusens.[1] In der Einführung schrieb er: «Meines Erachtens, ausser der kurzen Vermerkung durch Prof. Austin Flint in seinen ‘Principles and Practice of Medicine’, wurde diesem wichtigen Leiden des Nervensystems weder eine separate Überschrift gewürdigt, noch ein differenziertes Kapitel in unseren validierten Traktaten (…). Ich gewöhnte mich daran, den Namen ‘Neurasthenie’ zu verwenden, im Gegensatz zu der Phrase ‘nervöse Erschöpfung’, um den morbiden Zustand davon zu unterstreichen. Diese Nomenklatur schien vertretbar aufgrund der philologischen Analogie, der wissenschaftlichen Bequemlichkeit und der tatsächlichen Notwendigkeit. Der Charakter dieses Leidens (…) kann am besten verstanden werden durch einen Vergleich mit Anämie (Blutarmut). Was Blutarmut für das Kreislaufsystem ist, so ist Neurasthenie für das Nervensystem. Beide können Folgen sein von chronischen Erkrankungen und selber auch akut oder chronisch werden. So kann Neurasthenie die Auswirkung sein von zehrenden Fiebern, erschöpfenden Wunden, Gebärvorgang, prolongierter Einsperrung, Verdauungsbeschwerden, Phthisis (Tuberkulose) und Morbus Brightii (akute Nephritis). Sowohl Blutarmut, als auch Neurasthenie, können auch zu weiteren, chronischen und akuten Leiden führen. So kann Neurasthenie zu Dyspepsie, Kopfschmerzen, Paralyse, Insomnie, Neuralgie, Rheumatismus, Spermatorrhoe (Samenfluss) und menstrualen Irregularitäten führen. (…) Anämie und Neurasthenie können sich auch gegenseitig verursachen. Sowohl Anämie, als auch Neurasthenie werden am häufigsten angetroffen in zivilisierten, intellektuellen Gemeinschaften. Sie sind ein Teil der Kompensation für unseren Fortschritt und Differenziertheit.»  

Dr. Beard berichtete über zahlreiche weitre, mögliche Ursachen:  prolongierte Trauer, Stress durch die Arbeit und/oder Familie, Abtreibung, sexuelle Überaktivität, Abusus von Stimulantien und Narkotika, Pensionierung sowie «zivilisiertes Hungern» (Diäten). Er postulierte eine vielleicht sogar nur leichtgradige Veränderung des zentralen Nervensystems. Als mögliche Erklärung nannte er «Dephosphorierung» des Gehirns mit Verlust dessen «soliden Anteile», was, in Kaskade, zu grossen Auswirkungen führte. So hätten die Neurastheniker zwar ihre Leben, konnten sie aber nur auf eine «arme, sterbende Art» erfahren. Er vermerkte auch, dass die Neurasthenie die Betroffenen von vielen, akuten Erkrankungen zu schützen schiene, spezifizierte aber keine. Zu den Symptomen der chronischen Form der Neurasthenie zählte Dr. Beard: Paralyse, Neuralgie, Gebärmutter-Beunruhigung bei Frauen, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), Chorea («Veitstanz» - unwillkürliche, unregelmässige Bewegungen der Muskulatur), Hypochondrie, Hysterie und «tatsächlichen Wahnsinn».  In einigen Fällen würde Neurasthenie zu Tode führen, jedoch ohne direkt erfassbare Ursache, dies wäre aber selten.

 

QUELLEN: 

[1] “Neurasthenia, or Nervous Exhaustion”
George Miller Beard
Boston Medical and Surgical Journal, 1869: 80: 217 – 221

 

 

Als einzige Behandlung sah Dr. Beard einen hochverdichteten Einsatz von sämtlichen verfügbaren «Nerventonika», u.A.: frische Luft, Sonnenschein, Waser, Essen, Erholung, Abwechslung, Muskeltraining, interne Verabreichung von Substanzen wie Strychnin, Phosphor und Arsen, sowie Elektrotherapie («galvanische Behandlung»).     

 

HAFTUNGSERKLÄRUNG

 

Der Verein ME/CFS Schweiz sieht sich primär als gemeinnützige Vereinigung von ME/CFS-Betroffenen und -Interessierten sowie fungiert als Informationsquelle zu der Erkrankung "Myalgische Enzephalomyelopathie (-tis) / Chronic Fatigue Syndrome" (ME/CFS, ICD-10: G93.3). Die Inhalte werden kontinuierlich angepasst, es besteht unsererseits jedoch kein Anspruch auf Vollkommenheit oder vollständige Aktualität.  

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