Schlechte Nachrichten aus dem Regierungsrat des Kantons Zürich

Mit grosser Enttäuschung haben wir erfahren, dass an der Sitzung des Regierungsrates des Kantons Zürich vom 14. Januar 2026 die Ablehnung des Postulats von Renata Grünenfelder, SP-Kantonsrätin und Pflegefachfrau, beantragt wurde. Das Postulat befasste sich mit der Versorgung von Menschen mit ME/CFS und Long Covid und forderte einen Bericht mit konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Versorgung im Kanton Zürich.

 

Gemäss Regierungsrat bestehe bereits eine ausreichende medizinische und pflegerische Versorgungsstruktur für Menschen mit ME/CFS und PAIS im ganzen Kanton. Zudem solle die Erarbeitung einer nationalen Strategie abgewartet werden, die voraussichtlich erst im Sommer 2027 vorliegen wird. Wer die Antwort nachlesen möchte, findet den Text hier:

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich

Der Verein ME/CFS Schweiz bewertet diese Haltung als höchst kritisch. Erstens ist nicht garantiert, dass eine nationale Strategie von allen Kantonen – einschliesslich des Kantons Zürich – als verbindliche Aufforderung zur Umsetzung verstanden und konsequent umgesetzt wird. Eine Strategie ist kein Gesetz, sondern eine politische Orientierung ohne rechtlichen Umsetzungszwang.

Zweitens widerspricht diese Haltung der Realität, dass Menschen mit ME/CFS weiterhin massiv unterversorgt sind – und damit auch dem Zweck des Gesundheitsgesetzes des Kantons Zürich, welches den Auftrag festlegt, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.


Konkret zeigt sich dies derzeit darin, dass:

  • keine flächendeckenden spezialisierten Pflegeteams für ME/CFS existieren (die Spitex Herzenssache erhält nicht einmal einen Leistungsauftrag für ihre einzigartigen Leistungen)

  • viele Erstversorger die Erkrankung nicht ausreichend kennen (die Folge davon sind Fehlbehandlungen und Marginalisierung oder Psychosomatisierung mit all ihren negativen Konsequenzen)

  • Es werden keine Erhebungen gemacht, wie und ob medizinische und pflegerische Studierende über PAIS geschult werden (als Folge dessen entsteht auch kein Interesse an Forschung über dieses Gebiet – zuerst braucht es das richtige Grundlagenwissen darüber!)

  • zentrale Akutspitäler wie das Waidspital und das Universitätsspital Zürich stark überlastet sind und dies nicht von heute auf morgen besser wird, auch wenn die Bestrebungen laufen, das Angebot zu erweitern

  • keine spezialisierten stationären Angebote oder Langzeitplätze für instabil Betroffene zur Verfügung stehen

  • Familien, die dringend Entlastung benötigen (z.B. durch Entlastungs-Betten in spezialisierten Einrichtungen), kaum Unterstützung erhalten


Diese Situation ist aus Sicht des Vereins nicht vereinbar mit dem gesetzlichen Grundauftrag einer angemessenen Gesundheitsversorgung. Im Kanton Zürich möchten wir ein Exempel statuieren und damit auch für andere Kantone zeigen, dass längst überfällige Massnahmen zur besseren Versorgung schon heute ergriffen werden könnten – Massnahmen, die den Betroffenen seit Jahrzehnten zustehen und nun endlich umgesetzt werden müssen.

Die Beantragung der Ablehnung hat schwerwiegende Konsequenzen: Weitere Betroffene werden sich gesundheitlich destabilisieren, ihre Funktionsfähigkeit wird weiter abnehmen – bis hin zu vollständigen Zusammenbrüchen. Junge Menschen verlieren ihre Zukunftsperspektiven, Familien und Beziehungen geraten unter enormen Druck, und berufliche Tätigkeiten können nicht mehr ausgeübt werden. Jugendliche werden nicht in die Schule zurückkehren können, während Eltern ihre gesamte Energie darauf verwenden müssen, überhaupt Hilfe für ihre Kinder zu finden. Gleichzeitig steigen die gesundheitlichen, sozialen und volkswirtschaftlichen Kosten für den Kanton weiter an. Am Ende trägt die gesamte Gesellschaft die Folgen der heutigen Versäumnisse der Regierung des Kantons Zürich. Dies können wir nicht hinnehmen. Wir halten euch über die weiteren Schritte auf dem Laufenden und hoffen, dass unsere Anliegen Gehör finden.

Nenad